Pop Universell e.V.

Grüße vom Hinterhof

04.07.10 in News

Die New York Times hat Ihre Wahl Leipzigs in den Liste der “31 Places to Go in 2010″ mit einem wunderbaren Artikel von Gisela Williams über die Subkulturen und Kunstszene unserer Stadt manifestiert.

Arts Thrive in Leipzig, Bach’s Backyard

Thank You, Gisela!!

(Pop Up Couch

01.06.10 in Archiv 2010

(Pop Up Couch: 13:30 – 14:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Shain Shapiro (Canadian Independent Music Association)
Sonderweg Kanada: Staatliche Promotion für Indie-Labels

Schon früh habe Kanada das große (auch wirtschaftliche) Potenzial im Indie-Bereich erkannt und die gezielte Förderung der Branche mit der Canadian Independent Music Association (CIMA) fest institutionalisiert: heute seien mehr als 85 % der kanadischen Labels dort Mitglied, Tendenz steigend. Hauptziel von CIMA ist es einerseits, die Indie-Branche in Kanada selbst zu unterstützen, so Shapiro, sowie andererseits, kanadische Indie-Musik im Ausland zu promoten und ausländischen Musikern zu helfen, in Kanada Fuss zu fassen.
Häufig müsse er Bands allerdings überhaupt erst klar machen, dass musikalischer und wirtschaftlicher Erfolg harte Arbeit seien, sagte Shapiro. Viele Musiker müssten erst dafür sensibilisiert werden, dass nur wer, klar sagen könne, was er will und was er kann und sich dabei an die richtigen Adressaten wende, eine Chance habe – alles andere sei Zeitverschwendung für beide Seiten.
Die über 170 CIMA-Mitglieder wählen jährlich einen Vorstand, der die verschiedenen Musikrichtungen möglichst breit repräsentiert. Trotz der Finanzierung durch den staatlichen Canadian Music Founds arbeitet CIMA weitgehend unabhängig, muss allerdings regelmäßig Rechenschaft über die verschiedenen Aktivitäten ablegen. Mehr Informationen: www.canadianblast.com und www.cimamusic.ca

(Pop up Couch: 16:30 – 17:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Carol von Rautenkranz (Golden Gate Management)
„Jetzt sind wir am Tor der Welt“ – Vom Erfolg einer Schnapsidee

Manchmal, erzählt Carlo von Rautenkranz von Golden Gate Management, sei das Kribbeln schon noch da, auch mal wieder selbst eine Band zu produzieren, aber „man muss realistisch sein und das tun, was man auch machen kann.“ Und realistisch gesehen passe „ein Label wie L’Age d’Or … nicht mehr in die Zeit. Für so etwas ist das Geld nicht mehr da und auch die Käufer nicht, das würde heute nicht mehr funktionieren.“ Aus diesem Grund gründete von Rautenkranz nach einem gemütlichen Abend im Jahr 2002 mit seinem Geschäftspartner Oliver Kolb die Agentur Golden Gate Management, die versuche, vor allem „die richtigen Leute zusammenzubringen“ und Kontakte zwischen Musikern, Produzenten, Arrangeuren, Songschreibern oder auch Anwälten herzustellen und so die „Basis für eine gute Musikkultur zu schaffen“. Hier gebe es häufig großen Vermittlungsbedarf, weil die Branche oft stark von Konkurrenz und Intransparenz geprägt sei.
Mit diesem Modell scheinen von Rautenkranz und Kolb Erfolg zu haben, denn inzwischen hat Golden Gate Management seine Büros nicht mehr wie Lado in gemütlichen Hamburg-Altona sondern in der schicken Hafencity – am „Tor der Welt eben“.

Pop up Couch: 13:30 – 14:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Lars Lewerenz (Audiolith Rec.)
Gegen Rechts heißt noch lange nicht antideutsch

Seit seinem Bestehen engagiert sich das Label Audiolith gegen Nazis und rechte Gewalt und nimmt – wie kürzlich in Dresden – an Antinazidemos teil, erzählte Label-Gründer Lewerenz auf der (Pop up – Couch. Dass das Label wegen dieser Haltung häufig als anti-deutsch abgestempelt werde, sei aber völliger Unsinn. „Man muss rechten Tendenzen einfach etwas entgegensetzen“ so Lewerenz, und das sei auch einer der Gründe für die viertägige „Dorfdisko Geiselfahrt“-Tour den Bands Frittenbude, Bratze und Egotronic durch die deutsche Provinz gewesen. In den großen Städten sei das Publikum geradezu übersättigt, in Kleinstädten dagegen reagierten die Leute viel begeisterter und dankbarer, weil dort „sonst nie was los sei“. Dabei ist es Lewerenz wichtig, „sich nicht im Backstage zu verkriechen, sondern mit den Leuten zusammen zu feiern und zu hören, was die für Probleme haben.“ Dieses unmittelbare Feedback sei letztlich auch der Hauptgrund dafür, dass Audiolith mit dem weitermache, was es bisher tue.
Auch wenn Audiolith sich programmatisch treu bleiben werde, sei klar, dass es sich verändern müsse: „In den letzten sieben Jahren hat Audiolith so viele Veränderungen durchgemacht, dass ich mir sicher bin, dass es auch in nächster Zukunft weitere Veränderungen geben wird. Das muss auch so sein, wenn Audiolith innovativ bleiben will.“ Hier liege eine große Stärke der kleinen Indielabels, meint Lewerenz: Gerade weil sie so klein seien, könnten sie wesentlich schneller und flexibler als die Majors auf äußerer Veränderungen reagieren.

Panel: Wir tanzen Mechanik

01.06.10 in Archiv 2010

Samstag, 8. Mai 2010, 13 Uhr: Wir tanzen Mechanik!
Der Algorithmus hat dem Musikjournalismus längst den Rang abgelaufen

„Wir tanzen Mechanik!“ ist nicht nur das Motto der diesjährigen (Pop Up, sondern beschreibt das Spannungsfeld zwischen Emotion und Technik. Das gutsortierte Podium diskutierte unter Moderation von Uwe Viehmann den Konflikt zwischen Musikjournalismus und Bewertungsalgorithmen. Auswahl und Empfehlung von Musik als Thema des Kulturjournalismus wird inzwischen deutlich in Frage gestellt – neue Wege sind nötig.

Die fünf Gäste ließen eine interessante Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln erwarten: Johnny Haeusler von Spreeblick und Lars Brinkmann (GRIMM) konnten mit Daniel Bregulla von whatpeopleplay ihren Standpunkt aus Sicht der Inhaltsproduzenten darstellen. Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer, der eine Professur für Online-Journalismus in Darmstadt innehat, erläuterte theoretische Hintergründe und Dr. Stephan Baumann als Musik- und KI-Forscher von der DFKI erklärte die technischen Bewertungsmöglichkeiten von Musik.

Die Frage „was ist ein Algorithmus“, beschrieb Dr. Baumann als Matrix aus der Zuordnung von Nutzern und Musik, die durch Metadaten aus Quellen wie dem semantischen Wissensnetz dbpedia angereichert werden, damit inhaltliche Nähe erkennbar wird. Die Grundsatzfrage „wie individuell sind wir“ wurde kritisch hinterfragt und durch die Beobachtung ergänzt, dass in kollaborativen Empfehlungsmodellen verstärkende Effekte auftreten, die den Mainstream fördern.

Was leistet Journalismus? War früher eher Empfehlung und Bewertung wichtig, beschreibt Prof. Dr. Lorenz-Meyer dessen aktuelle Aufgabe als Auswahl und emotionale Darstellung: Geschichten erzählen kann nur der Musikjournalismus und kein Algorithmus – doch „es gibt zu viel Schrott“. Qualität durch tiefe Recherche, Erfahrung und genaue Wahrnehmung macht den Vorsprung des Profis zum Amateur aus; so wird der Musikjournalismus nicht nur von technischen Systemen bedrängt, sondern durch veränderte Medienproduktion und -rezeption: ein Mix aus digitaler und analoger Welt, der als Life-Stream in sozialen Netzwerken wie Facebook auch zu Musikempfehlungen im Freundeskreis genutzt wird.

Doch was können Musikinteressierte heute schon nutzen? Modelle wie Spotify beschrieb der Moderator als perfekten Weg zum Kennenlernen neuer Musik – ob solche Systeme Kaufentscheidungen unterstützen sei derzeit noch vage. Daniel Bregulla konterte: „Geschäftsmodell? Ich will nur Musik!“ der emotionale Wert von Musik muss erhalten bleiben – immer und überall verfügbare Musik wird entwertet.

Die hier gestartete, sehr gelungene Diskussion ist ein guter Ansatz: wie technische Bewertungsmethoden sich zukünftig als Bereicherung und nicht als Konkurrenz zum Musikjournalismus etablieren, wird sich zeigen.